Touren unter der Woche: 3tägig im Alpsteinmassiv

Das Alpsteinmassiv mit dem Säntis als höchstem Gipfel ist der nördlichste Vorposten der Schweizer Alpen, nicht weit vom Bodensee. In diesem Jahr war die Gelegenheit für uns besonders günstig: Da die Seilbahn zum Säntis wegen einer längeren Revision außer Betrieb ist, bleibt der große Ansturm der sonstigen Tagestouristen aus. Die perfekte Chance also, um diese Traumrunde von Wasserauen über die Ebenalp, den Säntis und den Seealpsee auf drei Tage aufzuteilen und das Bergerlebnis abseits der Massen besonders intensiv zu genießen.

Ganz im Sinne unserer Philosophie nutzten wir für die umweltfreundliche An- und Abreise die Bahn bis zum End-Bahnhof in Wasserauen im Appenzeller Land.

 

 

1. Tag: Der Aufstieg zum Schäfler

Nach der entspannten Zuganreise schnallten wir in Wasserauen die Rucksäcke fest. Unser erstes Etappenziel war das Berggasthaus Schäfler auf 1910 m ü. Meer. Der Weg führte uns zunächst stetig bergauf zum von vielen Fotos bekannten Berggasthof Aescher Wildkirchli, spektakulär am Fuß eines Felsbandes geradezu an der Wand klebend. Nach einer Stärkung ging es weiter und die Vorfreude auf die kommenden Tage trug uns mühelos zum Schäfler, den wir am späten Nachmittag erreichten. Ein fantastisches Panorama und ein gemütlicher Hüttenabend auf der Terrasse erwarteten uns mit Weitblick bis über den Bodensee.

2. Tag: Über den Säntis und den Lisengrat

Der zweite Tag sollte unsere Königsetappe werden. Nach einem stärkenden Frühstück machten wir uns an den Aufstieg zum Säntis, der mit gut 2500 m ü. Meer die höchste Erhebung in diesem Gebiet ist. Teilweise ausgesetzt, aber gut mit Seilen gesichert ging hinauf bis zum Blauschnee, einem Firnfeld, das wir auf problemlos angelegter Spur queren mussten, um danach in den leichten Klettersteig zum Gipfel einzusteigen. Die größte Herausforderung war das inzwischen aufgekommene heftige Wind. Oben angekommen, genossen wir die seltene Ruhe bei unserer Mittagsrast auf der Terrasse des Berggasthofs Alter Säntis mit beeindruckender Rundumsicht – der Seilbahnrevision sei Dank! Danach wartete das sportliche Highlight der Tour auf uns: der Übergang über den Lisengrat zum Rotsteinpass. Der Steig ist im oberen T3-Bereich angesiedelt, verlangte also an manchen Stellen Trittsicherheit und volle Konzentration, machte aber landschaftlich unglaublich viel Spaß. Beeindruckt waren wir von der Gruppe Steinböcke, die knapp abseits unseres Weges lagen und uns völlig entspannt beim Bergsteigen zusahen. Glücklich und zufrieden erreichten wir schließlich die Rotsteinpasshütte (2120 m ü. Meer), unser Quartier für die zweite Nacht.

3. Tag: Vorbei an Meglisalp und Seealpsee zurück ins Tal

Am dritten Tag hieß es Abschied nehmen von den Höhenwegen, doch der Abstieg stand dem Rest der Tour in nichts nach. Vom Rotsteinpass wanderten wir hinunter zur Meglisalp, die mitten im Gebirgsring des Alpstein liegt. Von dort ging es – nochmals mit zahlreichen Seilsicherungen versehen eine Felsstufe weiter hinunter zum tiefblauen Seealpsee, einem der bekanntesten Fotomotive der Schweiz (z. B. auf dem Etikett der Appenzeller Bierflaschen). Einige von uns nutzten die Gelegenheit zu einem erfrischenden Bad im Bergsee. Das letzte Wegstück führte uns zurück nach Wasserauen, von wo aus wir müde, aber vollgepackt mit herrlichen Eindrücken die Heimreise mit der Bahn antraten.

Drei rundum gelungene, genussreiche Tourentage in den Schweizer Bergen, die uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben werden!

Ulrich Kias

Fotos: Anton Bauer, Eva Falkenstein, Ulrike Berberich, Ulrich Kias

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