Kraut des Monats (7)

Die Echte Mehlbeere (Sorbus aria)

Der Baum des Jahres 2024 ist zwar im Gebirge gar nicht so selten, aber bei den meisten Bergsteigern völlig unbekannt. Kein Wunder, denn die Mehlbeere ist ein eher unauffälliger Baum, der selten größer als 15 Meter wird. In höheren Lagen wächst sie oft als Strauch und geht dabei zwischen Latschen und Vogelbeeren leicht unter. Von Weitem sieht sie der Vogelbeere zugegeben auch recht ähnlich mit ihren weißen Blüten im Mai und Juni und den roten Beeren, die ab August reifen und für viele Tiere von der Maus bis zum Wildschwein gerne gefressen werden. Besonders bei Vögeln ist die Mehlbeere ein beliebter Nahrungsbaum. Die Beeren sind auch für Menschen essbar, schmecken aber eher fad. Früher wurde in Notzeiten das Mehl mit den gemahlenen Beeren gestreckt, daher kommt wahrscheinlich auch der Name Mehlbeere. In der Volksmedizin werden sie außerdem als Mittel gegen Durchfall und Husten eingesetzt.

Bildquelle: canva.de

Die Mehlbeere bevorzugt trockene, kalkreiche Böden. Sie wächst als Mischbaumart in warmen Eichenwäldern, ist aber auch im Gebirge bis zu einer Höhe von 1500 m zu finden. In alpinen Wäldern ist sie nach Bergahorn, Buche und Vogelbeere die häufigste Laubbaumart und wird deshalb häufig in der Schutzwaldsanierung gepflanzt.

Heute wird die Mehlbeere vor allem als Zierbaum in Parks und Gärten gepflanzt. In der Forstwirtschaft spielt sie keine Rolle, auch wenn das Holz durchaus nicht unbrauchbar ist. Es ist sehr hart, witterungsfest und leicht zu bearbeiten, aber weil der Baum sehr langsam wächst und die Stämme nicht besonders dick werden, findet es hauptsächlich für kleinere Drechsel- und Schnitzarbeiten Verwendung, z. B. für Werkzeugstiele oder Fassdauben.

Hier noch ein Warnhinweis für alle Freunde der Pflanzenbestimmung: Nicht alles, was nach einer Echten Mehlbeere aussieht, muss auch unbedingt eine sein. Denn aus der Gattung Sorbus, zu der neben der bekannten Vogelbeere und der nicht so bekannten Elsbeere eben auch die Mehlbeere gehört, gibt es allein in Bayern ca. 40 Arten. Neben der Echten Mehlbeere gibt es da z. B. die Pannonische, die Fränkische, die Eichstätter oder die Regensburger Mehlbeere, Hoppes, Meierotts und Schnitzleins Mehlbeere, die lang-, breit- oder löffelblättrige Mehlbeere und noch viele mehr. Zu allem Überfluss kreuzen sich diese vielen Arten oft auch noch untereinander. Ein Paradebeispiel ist die Schwedische Mehlbeere (Sorbus intermedia), die bei uns als Zierbaum gepflanzt wird. Sie stammt aus Skandinavien und ist eine natürlich entstandene Kreuzung aus gleich drei Arten, nämlich Mehl-, Els- und Vogelbeere. Wer also nicht dem Wahnsinn verfallen will, sollte es bei der Bestimmung hier nicht so genau nehmen und sich einfach darüber freuen, dass man gerade eine Mehlbeere gefunden hat. Oder gleich Botanik studieren.

-> Alle bisher vorgestellten Pflanzen

Suche
Archiv