Kraut des Monats (04/26)

Alpenrose (Rhododendron hirsutum)

Auf der Liste der bekanntesten Alpenblumen kommt die Alpenrose zweifellos nur knapp hinter Edelweiß und Enzian. Welcher Bergsteiger oder Alpentourist kennt nicht den kleinen Strauch mit den rosa Blüten, die ein bisschen an den Rhododendron daheim im Garten erinnern. Und das ist kein Zufall, denn wie der lateinische Name verrät, gehört die Alpenrose zur Gattung der Rhododendren, wenn sie auch deutlich kleiner ist als die Zierpflanzen im Garten, denn höher als einen Meter wird der kleiner Strauch nicht. Kaum einer weiß aber, dass es „die“ Alpenrose gar nicht gibt, sondern dass in den Alpen eigentlich zwei verschiedene Alpenrosen vorkommen, nämlich die Bewimperte Alpenrose und die Rostblättrige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum). Die eine erkennt man an den feinen Härchen, also „Wimpern“ auf den Blättern, die andere an der rötlichen Unterseite der Blätter. Zum großen Glück für den Laienbotaniker kommen die beiden aber nie am gleichen Fleck vor, denn sie sind vikariierende Arten. Und natürlich weiß der oben erwähnte Laienbotaniker sofort, was damit gemeint ist (oder Wikipedia tut es). Vikariierend nennt man zwei oder mehr meist sehr nah verwandte Pflanzenarten, die sich zwar äußerlich sehr ähnlich sind, aber ganz verschiedene Standorte besiedeln. So ist es auch mit den beiden Alpenrosen. Während die Rostblättrige auf sauren Böden wächst, die in den Zentralalpen vorherrschen, findet man die Bewimperte auf Kalkböden und damit unter anderem auch in den Bayrischen Alpen.

Die Alpenrose kommt bis in Höhenlagen von 2500 m vor und behält ihre Blätter auch im Winter. Von einer solchen Pflanze erwartet man eigentlich eine hohe Frosthärte, aber in diesem Fall ist das nicht ganz richtig. Die Alpenrose braucht zum Überwintern eine geschlossene Schneedecke, unter der sie sich vor der Kälte schützen kann. Triebe, die über den Schnee hinausragen, erfrieren.

Die rosaroten Blüten findet man von Mai bis Juli. Sie werden hauptsächlich von Hummeln bestäubt und entwickeln sich zu kleinen Kapselfrüchten, die ab August reif werden und beim Aufspringen viele winzig kleine Samen freigeben. Wer auf eine Alpenrose mit kleinen rötlichen Kugeln stößt, hat keine Alpenrosen-Beeren gefunden. Es handelt sich dabei um sogenannte Alpenrosen-Äpfel, Wucherungen, die durch einen Pilz mit dem schönen Namen Alpenrosen-Nacktbasidie hervorgerufen werden. Essen sollte man diese „Äpfel“ nicht, denn Alpenrosen sind grundsätzlich giftig. Zwar ist die Giftigkeit von Art zu Art unterschiedlich hoch und die Bewimperte Alpenrose ist in dieser Hinsicht noch nicht untersucht. Aber am Berg sollte man kein unnötiges Risiko eingehen…

Der Gifitgkeit zum Trotz wurden die Blätter der Alpenrose früher als Mittel gegen Rheuma und Gicht eingesetzt. Auch magische Eigenschaften hat man der Pflanze zugesprochen. Sie sollte z. B. den Standort von Goldadern und Schätzen anzeigen. Wer heute tatsächlich noch Wert auf so etwas legt, kann mit einem Kranz aus Alpenrosen auch die Keuschheit von Frauen testen. Auf dem Kopf einer Jungfrau verwelkt der Kranz, während er auf dem Kopf eines „unartigen“ Mädchens schön frisch bleibt. Also genau anders herum, als man es erwarten würde. Was das über die Alpenrose aussagt, darüber kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen.

Text: Annemie Kastlmeier
Fotos: Pixabay

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