Kraut des Monats (03/26)

Trollblume (Trollius europaeus)

Sieht man im Gebirge zwischen Mai und Juli auf feuchten Wiesen und an Bachrändern gelbe Blüten aufleuchten, hat man mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Trollblume vor sich. Wer bei dem Namen an Höhlen- oder Bergtrolle denkt und eine spannende Geschichte erwartet über die Verbindung der gelben Blume mit diesen wilden Märchengestalten, der wird enttäuscht sein, denn „troll“ ist in diesem Fall ein althochdeutsches Wort, das „kugelrund“ bedeutet. Was an der Trollblume kugelrund ist, das ist ziemlich offensichtlich: Die Blüten an den 20-60 cm langen Stängeln sind kugelförmig und sehen, auch wenn sie schon voll aufgeblüht sind, immer ein wenig so aus, als würden sie sich gerade erst öffnen. Die leuchtend gelbe Farbe verrät die Verwandtschaft mit einer häufigen Wiesenblume, dem Scharfen Hahnenfuß. Beide gehören sie in die große Familie der Hahnenfußgewächse, von denen viele gelb blühen, und die alle giftig sind (mit einer Ausnahme, aber dazu vielleicht in einem anderen Monat).

Da die Blüten sich nie wirklich weit öffnen, schaffen es nur sehr kleine Insekten hinein. Die wichtigsten Bestäuber sind drei Fliegenarten der Gattung Chiastochaeta (die offenbar so unbedeutend ist, dass nicht einmal Wikipedia etwas über sie zu sagen hat). Bis zu sechs Larven dieser Arten können in einer Blüte aufwachsen, ohne dass diese Schaden nimmt. Neben den ganz kleinen können aber auch die ganz großen Insekten wie Hummeln zum Nektar am Grund der Trollblumen gelangen, indem sie die Blütenblätter ganz einfach auseinander schieben.

Die Trollblume kommt in Europa und Westsibirien vor, wobei sie in nördlichen Regionen und Gebirgslagen häufiger ist. Insgesamt gilt die Trollblume in Deutschland als gefährdet und steht unter Naturschutz. Im Flachland ist sie extrem selten geworden. Dort machen ihr die intensive Grünlandnutzung und die Trockenlegung von Feuchtwiesen zu schaffen. In den Bergen hat man bessere Chancen, die Trollblume zu Gesicht zu bekommen, allerdings nur abseits der Almen. Denn auch wenn die Trollblume von den Kühen nicht gefressen wird, ist sie ausgesprochen trittempfindlich.

Gelegentlich wird die Trollblume auch Butterblume genannt, was aber ein ziemlich unspezifischer Name ist. Von diversen Hahnenfüßen über Scharbockskraut und Löwenzahn bis hin zum wechselblättrigen Milzkraut werden ziemlich pauschal diverse gelbe Blumen so bezeichnet. Der Löwenzahn trägt den Namen, weil Butter aus Milch von Kühen, die viel davon gefressen haben, gelber wird. Da die Trollblume aber wie gesagt von Kühen verschmäht wird, hat sich wohl einfach ein botanisch ungebildeter Mensch einmal gedacht: „Ach da ist eine Blume. Die ist gelb. Wird wohl eine Butterblume sein.“

Text: Annemie Kastlmeier
Bilder: canva

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