Kraut des Monats (01/26)

Europäische Lärche (Larix decidua)

Die Lärche ist ohne Zweifel ein Baum, der das Außergewöhnliche liebt. Sie wächst ausschließlich im Hochgebirge, klettert in Höhen bis 2500 m, wo andere Baumarten längst das Handtuch geworfen haben, kann 600 Jahre alt werden, manchmal auch älter, dabei einen Stammumfang von 1-2 m und eine Höhe von 50 m erreichen. Sie benötigt mehr Sonnenlicht als jede andere Baumart, hat von allen Bäumen das heilkräftigste Harz und ist noch dazu der einzige heimische Nadelbaum, der im Winter seine Nadeln abwirft.

Am liebsten wächst die Lärche für sich alleine. Als ausgesprochene Lichtbaumart fühlt sie sich von anderen Bäumen schnell bedrängt und weicht daher auf Höhenlagen aus, in denen die anderen Bäume gar nicht oder nur sehr langsam wachsen. Nur mit der ebenfalls im Hochgebirge heimischen Zirbe und gelegentlich auch mit der Waldkiefer bildet sie Mischwälder. Von Natur aus kommt die Lärche ausschließlich in den Alpen und einem Teil der Karpaten vor, die Forstwirtschaft hat aber dafür gesorgt, dass sie auch außerhalb ihrer natürlichen Verbreitung angebaut wird. Sie gilt zwar als anspruchslos, denn sie wächst problemlos sowohl auf sauren wie auf kalkreichen Böden. Eines verträgt sie allerdings gar nicht: Nässe. Auf feuchten Böden sterben junge Lärchen entweder gleich ab oder bilden so wenig Wurzeln, dass sie früher oder später einfach umkippen. In Senken und Tälern mit hoher Luftfeuchtigkeit erkranken Lärchen überdurchschnittlich oft am Lärchenkrebs. „Lärche auf die Berche!“, heißt die Devise bei den schwäbischen Forstleuten, denn wirklich wohl fühlt sich die Lärche eben nur dort, wo sie zu Hause ist. Ein Gebirgler durch und durch.

Das Holz der Lärche ist sehr witterungsbeständig. Es wird für die Außenwände von Holzhäusern und auch für die im Alpenraum typischen Schindeldächer verwendet. Heute wird es auch oft bei Lawinenverbauungen eingesetzt. Ebenso nützlich ist das Harz der Lärche, das man fast schon als Allheilmittel bezeichnen kann. Es hilft als Brustsalbe oder Lärchengeist bei Erkältungen, Grippe und Atemwegserkrankung. Auf Wunden aufgetragen wirkt es entzündungshemmend und wundheilend und in der traditionellen Pechseife verarbeitet hilft es gegen Hautunreinheiten, Pickel und sogar Neurodermitis. Kein Wunder, dass das Harz früher ein mindestens ebenso wichtigeres Handelsgut war als das Holz. Bis heute ist Lärchenharz im Handel als „Venetianisches Terpentin“ zu haben, denn Venedig war der Haupthandelsplatz für das wertvolle Harz, das hauptsächlich aus Südtirol kam.

Für die Menschen im Gebirge war die Lärche lange Zeit das, was bei uns im Flachland die Linde war: Ein Schutzbaum für Haus und Hof, der Wohnsitz menschenfreundlicher, meist weiblicher Baumgeister. Ein Lärchenzweig über der Tür sollte Hexen und böse Geister abwehren und den Kindern hängte man als Schutz vor dem Bösen Blick einen Lärchenzapfen um den Hals. Den hellgrünen Schleier, der im Frühling die Äste überzieht, verdankt die Lärche nach einer Südtiroler Sage Merisana, der Königin der Wasserfrauen und Hüterin der Natur. Als diese den Strahlenkönig Rey de Rayes heiraten sollte, wünschte sie sich, dass zur Stunde ihrer Hochzeit alle Wesen, ob Menschen, Tiere oder Pflanzen, glücklich sein sollten. Als dann die Hochzeit herankam und alle Lebewesen freudestrahlend zusammenkamen, sah Merisana eine einzelne kleine Lärche kahl und traurig am Rande stehen und hängte ihr ihren hellgrünen Hochzeitsschleier um. Von da an grünte und wuchs die kleine Lärche eifrig und jedes Frühjahr erinnerte sie alle, die sie sahen, an die Stunde von Merisanas Hochzeit, zu der alle Lebewesen glücklich gewesen waren.

Text: Annemie Kastlmeier
Bilder: pixabay

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